Wie fotografiere ich eine Hochzeit? Teil 1 – für den Fotografen

Gar nicht.

Eine klare, hilfreiche und hoffentlich endgültige Antwort in 10 Zeichen (einschl. Leerzeichen und Punkt). Und warum nicht? Naja, dafür gibt’s den Artikel.

Der richtige Ansatz lautet: Warum schon? Die vermeintlichen Argumente sind immer die selben:

 

Motivation Nr. 1: das liebe Geld

Ich will mir etwas Geld dazuverdienen
Trag Wurfsendungen aus oder mach Telefonsex, mit beidem richtest Du weniger Schaden an!

Steigerung: ich will meine neu gekaufte / noch kurz davor zu kaufende Ausrüstung damit refinanzieren
Da stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Wenn es um Geschwindigkeit und Präzision geht, ist Erfahrung alles. Eine Ausrüstung, die frisch gekauft ist, steht im krassen Gegensatz dazu! Wer plant, eine Hochzeit mit frisch gekauftem Equipment zu fotografieren, gehört standrechtlich erschossen, erhängt und zur Sicherheit noch hinter den Zug geworfen. Ernsthaft: Wollt ihr echt einen Gefahrtransport fahren, ohne überhaupt einen LKW-Führerschein zu haben?

Die Fotografie kann ein teures Hobby sein
Briefmarkensammeln auch. Wie viele Briefmarkensammler kennt ihr, die sich was dazuverdienen wollen und deshalb ihre Marken vor der Post Leuten mit einem Umschlag in der Hand aufdrängen?

 

Motivation Nr. 2: Neugier

Ich will schaun, ob ich es schon draufhabe
Die Antwort hierauf lautet mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit: NEIN. Das Brautpaar wird sich bedanken!

Ich will für mich ein neues Feld entdecken
Wenn es Dir darum geht: BITTE geh in die Zoohandlung und mach Goldhamster-Pornos! Es gibt zahllose fotografische Experimente zu entdecken. Das Glück zweier Menschen ist keins davon.

 

Motivation Nr. 3: die Gefälligkeit

Ich will einem Freund/Verwandten/Bekannte/Kollegen einen Gefallen tun.
Nope. NOPE. NOPE. SO pflegt man keine Freundschaften. SO setzt man Freundschaften auf Spiel, nein: SO zerbrechen Freundschaften. Am gefährlichsten wird es, wenn das Brautpaar zur Ermutigung einen der folgenden Sätze äußert (es folgt ein Bullshit-Bingo der privaten Hochzeitsfotografie):

  • Wir kennen Deine Bilder, Du machst das schon
  • Du bist (Steigerung: voll) der Profi
  • Wir brauchen eh nur ein paar Bilder
  • … fürs Familienalbum
  • Mein Cousin/Onkel/Bruder/Exfreund/Sonstwas macht auch ein paar Fotos
  • … nur die kirchliche Trauung
  • … nur die standesamtliche Trauung
  • … nur die Scheidung. Ich glaube, langsam dürfte klar sein, was ich meine.
Egal, wie bedeutungslos einem dieser Moment als Dritten erscheinen mag. Egal, wie sehr das Brautpaar diesen Moment herunterspielt, um ein „ok, mach ich“ herauszukitzeln. Man sollte sich immer über eines im Klaren sein: Eine Hochzeit ist im Idealfall ein einmaliger und nicht wiederholbarer Augenblick, der die Wege zweier Menschen untrennbar zusammenführt. Die Erinnerung daran hinterlässt Spuren. Und spätetestens nachträglich das Bedürfnis nach gelungenen Fotos. Fehlende Erinnerungen, z.B. ein verpatzter Ringtausch, hinterlassen im Regelfall ein Schlachtfeld!
Ich halte es gerne mit einem Ratschlag, den mir mein Vater erteilt hat: Mach nie das, was ein anderer besser kann. Professionelle Hochzeitsfotografen kennen ihr Handwerk aus dem FF. Sie wissen, wann sie wo zu sein haben. Und wenn Braut und Bräutigam das „JA“ von sich geben, das sie evtl. später mal bereuen, sind die Profis da und dokumentieren es. Vielleicht nicht immer perfekt, von der Schokoladenseite und im besten Licht, aber unter Zeitdruck zuverlässig. Hand aufs Herz: Welcher Hobbyfotograf kann das wirklich garantieren?

Trotzdem überzeugt, dass Du auf den ersten Versuch der makellose, perfekte Hochzeitsfotograf bist? Demächst folgt Teil 2 – für das Brautpaar… das ich hoffentlich im Gegensatz zu Dir vom Gegenteil überzeigen kann.