Wenn einer eine Reise tut… dann hat er hoffentlich die Akkus getrennt verpackt.

So, spätestens jetzt im April ist es soweit, und mindestens bis 2018 bleibt es dabei: praktisch alle Airlines setzen den ICAO-Beschluss um… und bei der Beförderung von Lithium-Ionen-Akkus die Daumenschrauben an. Doch was bedeutet das nun für Fotografen mit reichlich Ersatzakkus im Schlepptau?

Nach den Flüssigkeiten sind jetzt Akkus die Bedrohung der Stunde, soviel ist klar. Bevor man diese Maßnahme pauschal verteufelt, sollte man allerdings bedenken, dass brennende (Lithium-)Akkus durchaus mal vorkommen, kein Spaß und sehr schwer zu löschen sind.

Im Vorfeld des „Akkuverbots“ hielt sich das Gerücht, Akkus dürften generell nicht mehr im aufgegebenen Gepäck mitgeführt werden. Ein pauschales Verbot gilt allerdings nur für die kommerzielle Luftfracht. Trotzdem lohnt es sich, die Bestimmungen zu kennen.

Sehen wir uns beispielsweise Seite 5 der neuen Spielregeln der Lufthansa an:

  • Ersatz-Lithiummetall- oder Lithiumionenakkus mit einer Wattstundenleistung von bis zu 100 Wh für Unterhaltungselektronikgeräte:
    • Nur im Kabinengepäck und in für den persönlichen Gebrauch bestimmten Mengen erlaubt
    • Diese Akkus müssen einzeln gegen Kurzschluss geschützt sein.
  • Ersatz-Lithiummetall- oder Lithiumionenakkus mit einer Wattstundenleistung von über 100 Wh bis 160 Wh für Unterhaltungselektronikgeräte:
    • Nicht mehr als zwei Ersatzakkus pro Person
    • Nur im Kabinengepäck erlaubt
    • Diese Akkus müssen einzeln gegen Kurzschluss geschützt sein
    • Genehmigung des Carriers erforderlich

Zuerst kann der Begriff „Kabinengepäck“ für Verwirrung bzw. zur Verwechslung mit dem Handgepäck sorgen, am Ende der Seite 4 werden jedoch aufgegebenes Gepäck und Handgepäck klar mit „ja“, also erlaubt, ausgewiesen.

Preisfrage: wieviele Wh (Wattstunden) leisten die eigenen Kameraakkus?
Antwort: normalerweise alles im grünen Bereich, selbst bei Knochen wie dem Akku der Eos 1DX kommen wir gerade mal auf 20 Wh.

Wie sieht es jedoch mit einer Powerbank aus? Powerbanks sind echt eine praktische Sache, bekommt doch damit jedes versehentlich nicht geladene Smartphone oder Tablet eine zweite Chance. Auch so manche Kamera lässt sich mehrmals daran aufladen oder über viele Stunden direkt damit betreiben. Falls sich schonmal jemand auf der Jagd nach einer Powerbank gefragt hat, warum auffällig viele Hersteller bei 26.800 mAh den Deckel draufmachen… das entspricht knapp der 100-Wh-Grenze.

Sieht doch bisher ganz gut aus, oder? Das Problem ist jedoch: was sind zum persönlichen Gebrauch bestimmte Mengen und wie weit geht „einzeln gegen Kurzschluss geschützt“? Und wie könnte es im Einzelfall ausgelegt werden?

Was den persönlichen Gebrauch angeht, lautet meine persönliche Einschätzung (ohne Gewähr): wer ein kleines Reißverschlussfach des Fotorucksacks mit einer handvoll Akkus füllt, dürfte noch kein Problem bekommen. Zweistellig könnte es dann eng werden, besonders in Kombination mit…

… dem (einzelnen) Kurzschlussschutz.

Sucht man nach einem Akku, findet man inzwischen praktisch immer die Angabe „gegen Kurzschluss geschützt“. Ich würde jedoch nicht darauf wetten, dass man bei den Sicherheitskontrollen damit immer durchkommen wird, selbst bei Akkus mit versenkten Kontakten. Einmal an den Falschen zu geraten, reicht vollkommen. Ich schlage eher eine der drei nachstehenden Varianten vor:

  • Kontakte mit Isolierband/Duct-Tape abkleben (imo eher eine Notlösung; Reserven für den Rückflug einplanen, also nicht wegwerfen)
  • Akkus einzeln in kleinen Zip-Beuteln verpacken, damit dürfte man schon auf der sicheren Seite sein.
  • die Deluxe-Variante: mal bei Amazon oder ebay (international!) stöbern, gerade aus China bekommt man für jeweils maximal 2 USD kleine Plastikboxen in der Größe seines Akkus.
    • Tipp für Besitzer von mehr als zwei Akkus: die Box transparent kaufen, auf eine Seite mit Permanentmarker „LEER“ schreiben, und bei leeren Akkus die Kontakte der LEER-Beschriftung zuwenden… wenn man nicht eh schon im Rucksack durch Fächer trennt.

Will man bei einer Powerbank auf Nummer sicher gehen – Silikonabdeckungen für USB-Ports gibt es schon für ein paar Cent.

Natürlich sind diese Lösungen etwas lästig, aber auf jeden Fall billiger und praktischer, als im Extremfall die Akkus wegwerfen oder per Post (falls diese sie überhaupt transportiert!) heimschicken zu müssen.

Möge der Saft mit Euch sein!
Mel Brooks, Spaceballs