Unnützes Zubehör: UV-Filter

Gestatten: Ich bin violett, Ultra-violett
Der eine hat ihn vor dem Objektiv, weil man ihn eben davor hat. Der andere verdient daran mehr Geld als mit einer verkauften Kamera. Uv-Filter und warum man ihre Anschaffung überdenken sollte.

Als in den Kameras noch keine Displays und komplexe Prozessoren verbaut waren, sondern ein Film das Machwerk des Fotografen in Empfang genommen hatte, gehörte ein UV-(Sperr-)Filter zum guten Ton. Um eben Einflüsse durch ultraviolettes Licht zu vermeiden. Den Grossteil schluckte zwar eh schon das Objektiv, aber man wollte eben auf Nummer sicher gehen. Und wurde vom netten Fotoverkäufer, der Filter so gerne verkauft hat wie der Melitta-Mann, natürlich in dieser Entscheidung bestärkt.

Aber was hat das nun wieder mit der guten alten Zeit zu tun?
Fast jede Digitalkamera filtert sowohl ultraviolettes als auch infrarotes Licht. Ob Kompaktkamera oder DSLR. Und das, ohne dass man etwas daran ändern könnte. Zumindest ohne Schraubenzieher, Skalpell und Garantieverlust. Was die Infrarot-, UV- und Astrofotografen zuerst fast in den Wahnsinn treibt und danach mehr oder weniger freiwillig zu einem kostspieligen Umbau bzw. der Anschaffung von Spezialausrüstung zwingt. Weil Digitalkameras nur das sichtbare Spektrum abbilden.

Was ich damit sagen will: Jemand, der ausdrücklich will, dass ultraviolettes Licht im Bild landet, schafft es meistens nicht mit einer Digitalkamera, die Sie und ich in der Fototasche haben. Wozu also noch ein UV-Filter?

Selbes Kind, neuer Name:
Gern wird ein UV-Filter deshalb nun auch als Schutzfilter bezeichnet/verkauft. Weil Digitalfotografen eben keine schlechte Erfahrung mehr mit UV-Licht machen. Also wird an das schlechte Gewissen appelliert: man weiss, dass man eh zu viel Geld für sein Hobby ausgibt, also wird mit einem „Schutzfilter“ suggeriert, man würde diese Investition damit schützen. Vor Staub, Steinschlag, Sturz, Zeugen Jehovas und diversen Weltverschwörungen.

Was die Zeugen Jehovas betrifft, ist der wirksamste Schutz wohl nur einer… lasst sie bis zum jüngsten Tag klingeln, dann seht ihr schon, ob sie Recht haben 😉
Weltverschwörungen gibt’s nicht, aber pssssst… leise, nicht dass „sie“ es hören!

Für/gegen Staub auf der Frontlinse empfehle ich entweder einen Lenspen bzw. feinen Pinsel oder einen kleinen Blasebalg (eine Einlaufbirne aus der Apotheke erfüllt den selben Zweck und ist zu einem Drittel des Preises evtl. sogar „baugleich“).


Steinschlag geht man am besten damit aus dem Weg, wenn man einer Akkreditierung für Paris-Dakar oder andere Rallyes aus dem Weg geht. Dürfte nicht allzu schwer sein.
Im Ernst: Die Wahrscheinlichkeit, sein Objektiv durch einen direkten Treffer eines Steins zu verlieren ist in etwa so hoch, wie vom Blitz getroffen zu werden. Selbst dann macht es praktisch keinen Unterschied, ob ein sog. Schutzfilter davor ist oder nicht. Ist der Aufprall stark genug, um die Frontlinse zu beschädigen, ist er wohl stark genug, um Filter zu brechen. Der Stein fliegt trotzdem weiter in Richtung Frontlinse, in Begleitung diverser Scherben und Splitter. Ob das besser für die Frontlinse ist?

Ob ein Schutzfilter Sturzschäden abfängt? Unwahrscheinlich. Eher verzieht sich die Filterfassung und lässt sich infolgedessen kaum noch aus dem Gewinde entfernen. Das macht gerade dann Spass, wenn das Filterglas zu Bruch gegangen ist oder man mal andere – wirklich nützliche – Filter einsetzen will.
Einen Sturz fängt eine Streulichtblende viel besser ab. Streulicht übrigens auch… ein Uv-/Schutzfilter nicht.

Bei Weitwinkelobjektiven ergibt sich ein weiteres Problem: der Platz nach vorne. Bei Kleinbildbrenweiten von weniger als 28mm zahlt man mitunter saftige Aufpreise, damit ein Filter dünn genug ist, um nicht im Bild zu stören. Und selbst den Aufpreis wirft man weg, wenn man immer seine Schutzfilter vor dem Objektiv anflanscht. Man könnte natürlich die Schutzfilter entfernen, wenn man andere Filter benötigt… Vorsicht, dass beim Wechsel das Objektiv nicht herunterfällt (erinnert mich an Loriots Bett, an dem man sich nicht das Schienbein anstößt).

Einbußen bei der Bildqualität
Jedes Objektiv ist vom Hersteller darauf ausgelegt, im Auslieferungszustand die bestmögliche Abbildungsqualität zu erzielen. Licht, und das braucht man nunmal zum fotografieren, bricht sich an jedem Übergang von Medien unterschiedlicher optischer Dichte. Glas und Luft haben eine unterschiedliche Dichte, weshalb hier zwei Glas-/Luftübergänge fleissig in der Optik herumpfuschen.

Kosten
Reden wir mal von den Kosten. Wie bei allen Filtern gilt auch hier: billig gekauft = doppelt gekauft. Billigfilter verschlechtern die Qualität, unter 30,- Euro ist man eher selten dabei. Mit Ultrasupergut-Vergütung reden wir schon eher von 50,- Euro.
Nehmen wir an, ein überzeugter Nutzer von UV-/Schutzfiltern setzt diese an jedem seiner fünf Objektive ein, so zahlt er unterm Strich den Preis von sechs oder sieben Objektiven.

Fazit:
UV-Filter bieten keinen Nutzen mehr, der die Qualitätseinbußen und die Kosten aufwiegt. Wenn der Händler Sie beim nächsten Verkaufsgespräch mit einem brandheißen Tipp zum Filterregal führt, lenken Sie besser das Gespräch möglichst schnell Richtung Polfilter, dann war der Gang nicht umsonst.

 

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  1. […] hat, aber eh schon das beste im Laden war. Und weils so schön war noch 39,- Euro für einen UV-Filter (der einem vom Verkäufer als Schutzfilter verkauft […]

  2. […] das Objektiv, welches mit einem Schutzfilter vor Wasserspritzern geschützt ist. Zur Frage ob ein UV-Filter als Schutzfilter geeignet ist, findet ihr hier ein paar Anworten. Der beste Schutz und dabei auch der bequemste für den […]