Falsch gepolt? Sinn eines Polfilters

Ein must-have in jeder Fototasche? Polfilter.
Was macht eigentlich ein Polfilter? Auf diese Frage bekommt man meistens die Antworten: „den Himmel blauer“, „Scheiben durchsichtiger“, „Kontraste kontrastiger“. Im Endeffekt macht ein Polfilter jedoch nur eines: Licht polarisieren… Hier mal ein kleiner Artikel über die Funktionalität und den Praxisbezug eines Polfilters.

Trockene Theorie gefällig? Ist nur ein Satz, versprochen: Licht ist, rein physikalisch betrachtet, elektromagnetische Strahlung, die senkrecht zur Ausbreitungsrichtung schwingt.

In der Praxis kommt das Licht aus sehr vielen Richtungen und Quellen (Sonne, Himmel, Licht reflektierende Flächen), was also vom Blickpunkt der Kamera aus sehr viele senkrechte Ausbreitungsrichtungen und somit lichttechnisch ein ziemliches Chaos bedeutet 😉

Wie oben bereits erwähnt: ein Polfilter macht im Prinzip nur eines: Licht polarisieren – also nur das Licht durchlassen, das auf seiner Polarisationsebene schwingt (die man durch das Drehen einstellt). Soviel zur Theorie, aber die Wirkungen dieses Vorgangs sehen in der Praxis folgendermassen aus:

  • Verstärkung von Kontrasten (lässt besonders feine Strukturen noch etwas besser hervortreten)
  • Unterdrückung von Lichtreflexen glatter, nichtmetallischer Objekte (metallische Reflexe sind bereits polarisiert)
  • Abdunkelung des blauen Himmels (kräftigere Farben, besser sichtbare Wolkenstrukturen)
  • Wiedergabe von Grüntönen z.B. beim Blattgrün wird verbessert (blaue Reflexe des Himmels werden gefiltert)

Klingt doch insgesamt recht gut, oder? Warum dann nicht immer mit Polfilter fotografieren?

Darum: Auch Polfilter haben nicht nur Vorteile:

  • Der Wirkungsgrad eines Polfilters wird nicht unwesentlich durch den Abbildungswinkel des Objektivs beeinflusst. Während man bei Teleobjektiven leicht eine durchwegs homogene Polarisation hinbekommen kann, so können bei starken Weitwinkeln extreme Effekte auftreten.
  • Ein Polfilter „schluckt“ etwa 1,5 Blendenstufen Licht, d.h. es kommt nur noch ein Drittel des vorhandenen Lichts überhaupt beim Objektiv an. Evtl. lassen sich beabsichtigte Verschlusszeiten – etwa um Bewegung einzufrieren oder das Foto noch freihand machen zu können – damit nicht mehr realisieren
  • Ein Filter vor dem Objektiv ist ein Eingriff in das optische System – zwei weitere Glas-Luft-Übergänge kosten (wenn auch nur unwesentlich) Abbildungsqualität
  • Polfilter ohne, oder mit schlechter Vergütung können Reflexe zwischen Filter und Frontlinse des Objektivs verursachen, besonders bei Gegenlichtaufnahmen (sogenannte Geisterbilder oder Flares)

Die Auswahl ist gross, aber welche Polfilter sollte man nehmen?

Zunächst sollte man darauf achten, dass es lineare sowie zirkulare Polfilter gibt. Lineare Polfilter sind zwar etwas wirksamer als zirkulare, beeinflussen jedoch die Automatikfunktionen der Kamera – besitzt man also ein Kameramodell mit automatischer Belichtungsmessung und/oder Autofokus, so sollte man auf jeden Fall zu einem Zirkular-Polfilter greifen!


Ok, also ein Zirkular-Polfilter, aber von welchem Hersteller?

Pfleglich behandelte Polfilter können einen ein ganzes Fotografenleben lang begleiten… also sollte sich die Frage „Soll ich ewig mit einem guten oder einem Schrott-Filter rumrennen?“ erübrigt haben. Bleibt nur die Frage, welche Filter sind gut, welche sind Schrott? Bei Ebay und Co. gibt es nicht selten No-Name-Filter für 20 € – ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: DAS sind Schrott-Filter! 20,- € zum Fenster rausgeschmissen. Hier ein Beispiel:

Polfilter, zuerst billig, dann defekt.

Polfilter, zuerst billig, dann feucht und schlussendlich unbrauchbar.

Schlechte Verarbeitung: Das ist nicht etwa ein „Regenbogenfilter“… so sieht – wenns dumm läuft – ein Polfilter mit schlampiger Randversiegelung aus. In der Folge ist während eines einstündigen Tierparkbesuches (Tropenhaus) Feuchtigkeit eingedrungen und hat bei der Polarisationsfolie ganze Arbeit geleistet.

Die Folge: Die Polarisationswirkung wird beeinflusst und das eingedrungene Wasser (drin ist es schnell, aber das hält sich nun schon seit Ende 2004 hartnäckig im Filter) hat auch eine optische Auswirkung, es verhält sich wie eine Lupe, was bei der Verwendung dieses Filters zu deutlich sichtbaren Abbildungsproblemen führt (Unschärfe und Farbfehler)

Im Absatz über dem Beispielbild habe ich was von eigenen Erfahrungen geschrieben… Sie wissen, was jetzt kommt, oder? Genau, DAS hier ist meine Erfahrung mit Billig-Polfiltern. Ein B&W hingegen durfte mittlerweile ca. 40 – 50 Stunden im Schmetterlingshaus (vergleichbare Luftfeuchtigkeit) über sich ergehen lassen, sieht aber noch aus, wie am ersten Tag. Auch ohne Käsemann (s.u.).

Moral von der Geschicht: Billig gekauft = Doppelt gekauft!

Im Allgemeinen kann man mit Filtern der Hersteller Heliopan, Hoya und B&W nichts falsch machen. Trotzdem sollte man auch hier darauf achten, dass es sich um mehrfachvergütete (multicoated) Exemplare handelt. Eine Messingfassung ist stabiler als eine Aluminiumfassung – auch das sollte man evtl. berücksichtigen.

Wenn man nach B+W-Filtern sucht, wird man wahrscheinlich recht schnell auf den Begriff „Käsemann“ stossen. Das Käsemann-Verfahren ist eine spezielle Versiegelung, die selbst unter recht widrigen Bedingungen das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert. Feuchtigkeit zwischen den Polarisationsfolien kann Polfilter u.U. unbrauchbar machen. Ob sich der Aufpreis aber für Schönwetterfotografen, die sich auch nie in Feuchtgebieten (z.B. Tropen) herumtreiben, lohnt… ist fraglich.

Fürderhin sollte man darauf achten, dass die Fassung auch zu den vorhandenen Objektiven passt – Standardfassungen können bei Weitwinkelobjektiven u.U. die Ränder abschatten. Am besten die Herstellerangaben beachten und – wenn man beim Händler vor Ort kauft – ausprobieren.

Ich persönlich habe mir für meine Weitwinkelobjektive nur einen Satz Filter geholt… und zwar für das Objektiv mit dem grössten Filterdurchmesser – mit Slim-Fassung. Der Rest der Objektive wird mit Reduzierring versorgt, was nebenbei auch Abschattung selbst beim 21mm-Objektiv am Kleinbild-Format völlig verhindert (das ging nichtmal mit Slim-Polfilter für das Gewinde)

Beispielbilder für die Effekte von Polfiltern:

[tabs titles=“Blauer Himmel, Spiegelung I, Spiegelung II“]
[pane]polfilter_himmel
Die Belichtung links wurde ohne, die auf der rechten Seite mit Polfilter durchgeführt. Die Lichtverhältnisse waren jeweils identisch, zwischen den Aufnahmen ohne/mit Polfilter lagen nur wenige Sekunden. Und doch sind es im Endergebnis komplett unterschiedliche Bilder.
Beim rechten Bild sind die feinen Wolkenstrukturen deutlich besser zu erkennen, das blau ist ebenfalls kräftiger, obwohl die Belichtung sogar etwas dunkler ist.[/pane]
[pane]polfilter_spiegelung
Die Belichtung links wurde ohne, die auf der rechten Seite mit Polfilter durchgeführt. Die Lichtverhältnisse waren jeweils identisch, zwischen den Aufnahmen ohne/mit Polfilter lagen nur wenige Sekunden. Und doch sind es im Endergebnis komplett unterschiedliche Bilder.
Das Bild wirkt durch die stark reduzierte Spiegelung deutlich ruhiger.[/pane]
[pane]polfilter_wasserfall
Die Belichtung links wurden ohne, die auf der rechten Seite mit Polfilter durchgeführt. Die Lichtverhältnisse waren jeweils identisch, zwischen den Aufnahmen ohne/mit Polfilter lagen nur wenige Sekunden. Und doch sind es im Endergebnis komplett unterschiedliche Bilder. Das Wasserfall-Bild hat klarere Kontraste, das Wasser auf den Steinen, den Blättern und den Baumstämmen reflektiert nicht mehr, wodurch auch die Farbtöne wärmer wirken.[/pane]
[/tabs]

Nun stellt sich beim Foto mit dem blauen Himmel allerdings die Frage: Warum spiegelt der See, wenn Polfilter doch Spiegelungen verhindern sollen?

Einstellungssache: Man muss den Ring am Filter richtig einstellen. Man muss sich also in bestimmten Situationen darüber bewusst sein, welchem Effekt man im Zweifelsfall den Vorzug gibt. Würde man die Spiegelungen im See „wegdrehen“, so wäre dafür der Himmel wieder heller oder überstrahlt – auf jeden Fall nicht mehr so schön kitschig blau.

Abschließender Hinweis: Polfilter wirken immer am besten, wenn man im 90°-Winkel zur Lichtquelle fotografiert.Im Klartext heisst das: bei Gegenlicht oder Sonne im Rücken bleiben sie so gut wie wirkungslos, verpasst einem die Sonne jedoch beim Fotografieren heiße Ohren, dann lohnt sich der Einsatz eines Polfilters häufig.

Ich hoffe der Artikel hat Dir/Ihnen weitergeholfen. Die Sektion „Fotowissen“ wird in Zukunft weiter ergänzt.

So long, viel Spass mit euren Polfitern und allzeit gut Licht

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