Hochformat?! Nachsitzen, Sony!

Wenn die Sony-Ingenieure beim Entwurf ihrer spiegellosen Systemkameras etwas weggelassen haben, dann neben dem Spiegel vor allem jeden möglichen Gedanken an Hochformat-Stativknipser. Es lässt sich halt doch nicht ganz verleugnen, dass man in den letzten 20 Jahren lieber Fernseher als Kameras für das etwas ambitioniertere Segment gebaut hat. L-Winkel können einem Fotografen das Leben wirklich erleichtern, aber die spiegellosen Sony-Kameras sind in dieser Hinsicht echte Mistviecher, und die meisten Hersteller von L-Winkeln haben an der selben Stelle wie Sony das Denken aufgehört, weil deren Produkte meistens auch im L bündig an der Kamera anliegen. Dies führt dazu, dass im Hochformateinsatz kein Kabelauslösereinsatz möglich ist. Aber wie kommen wir aus diesem Schlamassel raus?

Die einzigen hierfür geeigneten L-Winkel, die mir bekannt sind und damit ein Problem lösen, das es eigentlich nicht geben müsste, gibt es nur für die A7-Serie:

verfügbar für…
A7, A7R, A7S (nur Body)
A7II, A7RII, A7SII (nur Body)
A7II, A7RII, A7SII (mit Batteriegriff VG-C2EM)

Umschließt den kompletten Unterboden der Kamera. Der Batteriefachdeckel wird von der Kamera in den L-Winkel umgesetzt, was das Herauspopeln der Akkus nicht ganz so erschwert, immerhin ist der Batteriefachdeckel somit den Fingern deutlich weniger im Weg, als wenn er an der Kamera verbleiben würde. Das L lässt sich in zwei Positionen einsetzen: zum Transport oder bei Freihandsessions eng an der Kamera anliegend, zum Hochformateinsatz xxmm nach außen versetzt. Das hat einen Vor- und einen Nachteil: sehr stabil, aber eben nicht ausziehbar, sondern eher ummontierbar. Die Schraube ist mir bei diesem Vorgang nicht nur einmal runtergefallen (Nachtrag: einmal ging sie irgendwie verloren). Der Preis ist nicht weniger als saftig.
L-Winkel lässt sich ausziehen, aber die beiden Metallstifte wirken auf mich nicht besonders verwindungssteif. Die Baseplate hört vor dem Handgriff der Kamera auf – selbst viele billige L-Brackets gehen bis unter den Handgriff. Ja, es ist Ansichtssache – meiner Meinung ist es aber ergonomisch von Vorteil, wenn der gesamte Kameraboden abgedeckt wird.Pluspunkt: Lässt sich wirklich ausziehen. Aussparung für Inbusschlüssel vorhanden, dieser steht allerdings leicht über.

Behelf (von Lösungen will ich hier nicht sprechen):

  • IR-Auslöser
    Kosten: 10 Euro mit Nebenwirkungen
    Der Sensor befindet sich auf der Vorderseite, weshalb nicht selten um die Kamera herumgezielt werden muss. Besonders interessant ist das sicherlich bei Rudelshootings mit mindestens einem weiteren anwesenden Sony-Fotografen… es dürfte mit viel friendly fire zu rechnen sein.
  • Auslösung per Smartphone-App
    Kosten: Akkuleistung. Viel Akkuleistung, seitens Kamera und Smartphone
    Vorteil: Belichtungseinstellungen lassen sich ohne Berührung der Kamera verstellen, auch nett: Live-View auf dem Smartphone verfügbar. Wenn Akkukapazität keine Rolle spielt, auf jeden Fall eine Alternative.
  • Spacer von Kirk, ReallyRightStuff oder ProMediaGear
    Kosten: 60 – 80 € und Platz im Rucksack.
    Wenn es nicht dauerhaft sein sollte: Inbusschlüssel nicht vergessen! Kostet 60 Euro aufwärts, womit wir den Sphären der mehr oder weniger ausziehbaren nicht mehr so fern sind.
  • L-Bracket-Upgrade, als bombenfeste Fertiglösung oder im Selbstbau
    Kosten: 20 – 120€
    Klemmplatte auf Universal-L-Winkel mit hochfester Schraubensicherung befestigen und schön streng anziehen – wir wollen eine an der Kamera flexible Lösung, die allerdings in sich selbst dauerhaft sein sollte. Am besten ein vorhandenes L demontieren, die Baseplate reicht für den Einsatz unseres selbst gebastelten (und bei der nächsten Kamera wieder verwendbaren) L-Winkels vollkommen.

Viele Wege führen nach Rom. Sony hat halt auf dem Weg dorthin ein paar Vollsperrungen und Baustellen eingebaut. Das hätte man wesentlich eleganter lösen können, z.B. bei den unzähligen Pins für Sonys sehr eigenwilligen Blitzschuh eine handvoll für Fernauslösung freischalten. Das würde Sony bei der eigenen Funkfernbedienung (deren Empfänger – richtig – auf dem Blitzschuh montiert wird; in diesem Fall würde ich liebend gerne für die überarbeitete Version einen Hunderter hinlegen! ) den Kabelsalat ersparen und viele Stativknipser glücklich machen. Viele Hersteller von L-Winkeln erwecken leider den Eindruck, dass sie nicht im Geringsten verstehen, wofür man ihre Produkte eigentlich einsetzt, das finde ich persönlich noch schlimmer. Ich fahre auf dem Stativ zweigleisig: Meiner „großen“ habe ich einen RRS-Winkel spendiert, das habe ich dann doch lieber wie aus einem Guß. Für die Zweitkamera (aktuell – im Bild – und künftig) nutze ich den selbstgebauten Nachrüst-Winkel.

… wär eigentlich auch ein passender Beitrag für den Foto-Grantler gewesen, wenn ich es mir gerade überlege 😉