Ausrüstung gegen Langfinger ab- und versichern!

Radomir Jakubowski ist ein Name, den man in den letzten Jahren unweigerlich gelesen hat, wenn man sich selbst ein bisschen mit Naturfotografie beschäftigt hat. In den letzten Tagen hat er jedoch leider nicht durch seine (oft hervorragenden) Fotos Schlagzeilen gemacht, sondern durch den Verlust seiner Ausrüstung. Und schlimmer: auch Leihausrüstung, die ihm Canon zum Testen mitgegeben hatte, fiel dem Einbruch in sein Mietauto zum Opfer. Gelegenheit macht Diebe, aber leider schaffen sich Diebe ihre Gelegenheiten manchmal selbst. Was kann man dagegen tun?

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber man kann versuchen, diesen Ar***l***ern (sorry, das musste sein) das Leben etwas schwerer zu machen… ich würde es die drei Vs nennen: Verhalten, Vorbeugen, Versichern.

Verhalten:

Runter vom Präsentierteller! Fotoequipment ist beliebtes Diebesgut.
Viele Fotorucksäcke erkennt man auf mehrere Meter Entfernung. Langfinger haben also Zeit, sich für einen Moment der Unaufmerksamkeit in Stellung zu bringen. Man selbst weiß nicht, ob/wer es gerade auf die Ausrüstung abgesehen hat, diesen Nachteil muss man durch Wachsamkeit ausgleichen. Ausrüstung immer auf Armeslänge! Immer im Blickfeld. Rucksack immer nach Entnahme der Kamera oder Objektivwechsel wieder verschließen und im Idealfall gleich wieder auf den Rücken damit. Dies reduziert das Risiko, dass mal eben im Vorbeigehen ein wertvolles Objektiv verschwindet.

Vorbeugen:

Fotozeugs nicht offen im Auto liegen lassen. Das verstehen Diebe als Einladung, mit Schleife drumherum. Selbst mit einem Mantel oder einer Decke bedeckt, kann man zu oft erahnen, welche Werte hier nur eine eingeschlagene Scheibe entfernt sind. Später komme ich noch auf das Thema Versicherungen zurück, manche Gesellschaften schließen im Fahrgastraum befindliche Ausrüstung vom Leistungsumfang explizit aus (wenn liegengelassene Ausrüstung versichert wird, auf der Rückbank befindliche jedoch nicht, kann man das Risiko in etwa abschätzen). Wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, dass die Ausrüstung unbeaufsichtigt im Auto bleiben muss, ab in den Kofferraum damit. Diesen Tipp zu beachten, stellt jedoch keine Garantie dar, wie sich in Radomirs Fall gezeigt hat.

Fotoausrüstung niemals am Flughafen einchecken. Das ist kein Problem, das sich auf Entwicklungsländer beschränkt. An JEDEM Flughafen der Welt geht Gepäck ganz oder teilweise (komischerweise meist Wertgegenstände) verloren oder kaputt, und nicht selten wird dabei nachgeholfen. Und wenn nicht geklaut wird, wird geworfen. Auf humoristische Art hat die Band „Sons of Maxwell“ in Form des Songs „United breaks Guitars“ den Verlust einer Gitarre aufgearbeitet.


Fotoausrüstungen sind nicht zwangsläufig unempfindlicher als Gitarren. Auch Fritz Pölking hat sich zu seinen Lebzeiten dieses Themas angenommen.

Eine leider sehr umständliche Empfehlung: der Pacsafe Bagprotector (Amazon-Links: 55-85 Liter, 25-55 Liter).
Diebstahlschutz ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber auf jeden Fall stellt dieses Stahlnetz eine zusätzliche Hürde dar, wenn man es an einem festen Ankerpunkt „ankabelt“… ohne einen Bolzen- oder Seitenschneider läuft hier nix! Unüberwindbar ist diese Methode natürlich nicht, aber neben Aufmerksamkeit des Besitzers schreckt zusätzlicher Zeitaufwand Diebe am meisten ab. Nachteil: das gute Stück wird man jedes (und ich meine JEDES) Mal, wenn man es tatsächlich einsetzt, selbst verfluchen… der Zugriff auf die Ausrüstung wird eben nicht nur für Unberechtigte erschwert.
Von GPS-Peilsendern halte ich nichts. Sie sind teuer, sie müssen geladen sein, sie sind das erste, was aus dem geklauten Rucksack fliegt. Und selbst falls nicht, die Polizei wird in den seltensten Fällen gleich eine Großfahndung nach geklautem Fotoequipment einleiten. Kriminelle selbst zu verfolgen, erachte ich nicht als ratsam. Unterm Strich wohl ein teures, zeitaufwändiges, aber nutzloses Gadget.

Versicherung:

Im Rahmen seiner GDT-Mitgliedschaft hätte er bei einer Versicherung sogar Vergünstigungen erhalten. Es wäre jetzt so einfach, mit dem Finger auf Radomir zu zeigen und zu sagen „selbst schuld, hättest Deine Ausrüstung auch versichern können/müssen“ und der Fall wäre erledigt. Aber neunmalkluge Sprüche von anderen helfen ihm jetzt nicht weiter.
Viele Fotografen schleppen im Rucksack den Wert eines Kleinwagens mit sich herum. Den tatsächlichen Kleinwagen haben sie natürlich vollkaskoversichert, es ist ja so schnell was passiert. Der Ausrüstung hingegen, der wird schon nix passieren. Diese Versicherung braucht man halt eben erst, wenn man sie denn braucht.
Meist liegt es nicht an den Versicherungsprämien, die sind mit 2 – 4 % der Versicherungssumme pro Jahr vergleichsweise günstig. Ohne Radomirs Gedanken in dieser Sache zu kennen, oft schiebt man das eben einfach vor sich her. Denkt sich, „wenn das nächste Objektiv gekauft ist“, oder „in einem Vierteljahr hol ich mehr eh die Kamera xy, dann mach ich’s!“. Ich fotografiere seit ca. 12 Jahren, versichert habe ich mich erstmals im Herbst 2011, glücklicherweise bisher ohne Schadensfall (weder vor, noch nach Abschluß der Versicherung).
Ich werde an dieser Stelle nicht für eine Versicherungsgesellschaft die Hosen runterlassen, empfehle jedoch, bei der Recherche die Versicherungsbedingungen gründlich zu lesen, u.a. in den folgenden Punkte unterscheiden sich die Anbieter:
  • wird die Ausrüstung zum Neuwert oder Zeitwert versichert (bzw. bezahlt man die Prämien auf den Neuwert und erhält im Schadensfall nur den Zeitwert?)
  • ist (grobe) Fahrlässigkeit mitversichert?
  • Diebstahl, Raub, Fallen-/liegenlassen?
  • gilt die Versicherung in allen Ländern, die man selbst mittel- bis langfristig besuchen möchte?
  • gibt es einen Ausschluß für bestimmte Tages- und Nachtzeiten?
  • ist die Ausrüstung in Autos, Hotels und im Flugzeug versichert?
  • wie hoch ist die Selbstbeteiligung?
  • sind die Beiträge dynamisch?
  • gibt es nach schadensfreien Jahren Rabatte?
  • sind neu gekaufte Gerätschaften, zumindest teilweise, für einen gewissen Zeitraum mit versichert?
  • sind Leihgeräte mitversichert?
Ich muss sagen: ich bin etwas entspannter mit der Ausrüstung unterwegs, seit ich sie versichert zu wissen glaube (ob, wann und wieviel eine Versicherung im Schadensfall leistet, ist ja vom Einzelfall abhängig und daher eine ganz andere Geschichte). Würde ich generell auch jedem empfehlen, der mit einer Ausrüstung oberhalb der Einsteigerkamera mit Kitobjektiv unterwegs ist.

Wie kann man Radomir helfen?

Er hat per PayPal eine Spendenseite eingerichtet und auch schon knapp über 3.000 Euro an Unterstützung erhalten. Ich muss offen gestehen, an dieser Stelle endet mein Verständnis und mein Mitleid. Spenden sind für mich etwas Gemeinnütziges, nicht die Refinanzierung von Luxusgütern zugunsten einer Einzelperson. Eine Ausrüstung für 30.000 Euro ist ein Luxusgut, auch für einen Profi. Ja, was ihm passiert ist ist schlimm, aber keine Gefahr für Leib und Leben eines unverschuldet in Not geratenen. Ein Unternehmer mit betriebswirtschaftlicher Ausbildung (Diplomkaufmann) hat zwei Risiken auf sich genommen: sein eigenes und fremdes Eigentum nicht versichert und unbeaufsichtigt gelassen. Es ist schief gegangen und nun soll im Nachhinein der Schaden durch die Gemeinschaft übernommen werden. Ich sehe auch keine Gefährdung der Existenz gegeben, Workshops kann man auch ohne eigene Ausrüstung geben, das werden dann halt ein oder zwei anstrengende Jahre… aber ein oder zwei Jahre, in denen man sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel gezogen hat und gestärkt daraus hervorgeht.
Ich bin kein Fan dieser Herangehensweise und werde deshalb auch niemanden aktiv dazu ermutigen, zu spenden. Wer aus eigenem Antrieb spenden will (vielleicht als Dank für die kleine Erinnerung, dass eben doch schnell alles weg sein kann), den will ich natürlich nicht davon abhalten.
Meine Empfehlung:
  • Augen und Ohren nach den gestohlenen Gegenständen offen halten, eine Liste hat er auf seiner Seite veröffentlicht.
  • Generell beim Gebrauchtkauf Seriennummern prüfen, in vielen Fotoforen kommunizieren die Eigentümer die gestohlenen Kameras und Objektive, oft reicht schon googeln.
  • Wer aber Geld übrig hat, kann alternativ auch einen Workshop bei ihm buchen, dann haben beide Seite etwas davon.

Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass die Ausrüstung wieder auftaucht!