Adobes Cloud-Zwangsabo: Dunkle Wolke? Alles halb so schlimm!

Mit den neuen CC-Versionen der Creative Suite wagt Adobe einen Schritt, der in der Softwarebranche nicht unüblich ist: die Software wird ausschließlich gegen regelmäßige Bezahlung angeboten. Der Aufschrei ist groß, aber sind die Schreihälse überhaupt Adobes tatsächliche Zielgruppe? Ein Kommentar.

Adobe hat es also durchgezogen: die CS6 war die letzte Creative Suite, die man sich so richtig in der Schachtel kaufen und nach der Installation ins Regal stellen konnte. Je nach Umfang riss das pro Version einmalig ein Loch zwischen 600 und 4.000 Euro in den Geldbeutel. Die CC-Versionen sind nur noch im Abo erhältlich: knapp 25 EUR/Monat für ein einzelnes Produkt, etwas über 60 EUR/Monat für alle Produkte. Monat für Monat, aber dafür inklusive aller Updates. Viele Verbraucher reagierten und reagieren heftig auf diesen Kurswechsel… und verschließen aus Gewohnheit die Augen gegenüber Produkten, die zwischenzeitlich für sie geschaffen wurden und im Vergleich zu den CS-Produkten richtig preisgünstig sind.

Wer ist die Zielgruppe für die Produkte der Creative Suite? Kreative, klar. Aber das sind wir doch alle irgendwie. Ok, anderer Ansatz: Die Programme sind umfangreich, lern-/schulungsintensiv, teuer (waren sie auch vor dem CC-Abo) und verlangen nach starker Hardware. Lügen wir uns nicht selbst in die Tasche, die Zielgruppe sind Berufskreative; Freiberufliche Grafiker, Selbständige, Werbeagenturen usw.

Viele Softwareprodukte für Gewerbliche bekommt man nunmal nur gegen regelmäßige Zahlung. Manchmal wird es direkt als Abo bezeichnet, manche bündeln ihr Programm zwangsweise mit einem Wartungs-/Servicevertrag, unter dem Strich ist es eh das selbe. Das hat für Gewerbetreibende durchaus Vorteile: planbare Kosten, keine langen Abschreibungszeiträume, zukunftssichere Kompatibilität und Aktualität. Diese Vorteile hat ein Verbraucher nicht, der sich eine CS ins Regal stellt und alle 5-6 Jahre ein Update kauft (wenn die Einschläge näher kommen und es vsl. bei der nächsten Version keine Updates mehr für die vorhandene Version gibt).

Alles gut und schön, aber ich verstehe nicht, wie viele Leute sich da in etwas reinsteigern, das sie eigentlich gar nicht mehr betrifft. Natürlich ist Photoshop eine hervorragende Software zur Bildbearbeitung und es hat sich über die Jahre auch bei Hobbyfotografen eingebürgert: Photoshop ist eine Software, die man „einfach hat“. Aber in der Gewohnheit wurde von den meisten ignoriert, dass Adobe im Schatten der großen Creative Suite zwei preisgünstige Produkte entwickelt hat, die für >90 % der privaten Anwender locker ausreichen:

Photoshop Lightroom 5 bietet eine hervorragende Bilderverwaltung und den besten Workflow für Fotografen, den Adobe jemals zur Verfügung gestellt hat – kostet knapp 125,- EUR.
Photoshop Elements 11 hält locker mit einer der älteren CS-Versionen von Photoshop mit und kostet mit knapp 60,- etwa soviel wie ein Monatsabo der Creative Suite. Das Bundle mit Premiere Elements ist für einen kleinen Aufpreis zu haben.

Adobe hat sich hier weder bei der Namenswahl (das bisschen Cloudspeicher als Aufhänger… ist etwas dünn; eine echte Cloud-Anwendung sieht anders aus) noch bei der Einführung der Creative Cloud mit Ruhm bekleckert. Jedoch sind sie nicht verpflichtet, ein Produkt weiterhin zum Kauf anzubieten, und das sollte man respektieren. Wer als Privatanwender kein Abo will, wird nicht dazu gezwungen – CS6-Versionen sind noch im Handel erhältlich und dürften noch für viele Jahre gute Dienste leisten.